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Alte Hasen auf neuen Wegen

Am 17.3.2010 2 Kommentare
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Am 26. März veröffentlichen die Elektropopper Suzy on the Rocks und Christian Fuchs alias Bunny Lake ihr neues Studioalbum. "The Beautiful Fall" klingt deutlich reifer als die beiden Vorgänger und könnte den kommerziellen Durchbruch für die Band bedeuten. Wir haben die beiden Österreicher bei einem Showcase getroffen und mit ihnen über das Erwachenswerden, Drogen und Wien gesprochen.

 

suzy on the rocks und bunny lake

kinki magazine: Ich nenne euch jetzt drei Sprichwörter. Sagt mir, welches euch davon am besten gefällt. Viele Hunde sind des Hasen tot. Da liegt der Hase im Pfeffer. Wissen, wohin der Hase läuft.
Christian: Mir gefällt das letzte am besten. Es hört sich optimistisch an.

Mir ist aufgefallen, dass der neue Sound von Bunny Lake auch nicht mehr so düster klingt. Ist Optimismus das neue Steckenpferd der Band?
Christian: Der neue Sound kam eigentlich ganz natürlich. Es ist eine große Herausforderung, optimistische Musik zu machen, ohne dabei belanglos zu klingen. Optimistische Musik ist sozusagen die Königsdisziplin.
Suzy: Ja, optimistische Musik kann schnell kitschig werden. Mir gefällt im Übrigen das zweite Sprichwort besser. Was bedeutet es eigentlich?

suzy on the rocks und bunny lake

Es stammt aus dem Mittelalter und bedeutet: Jetzt ist alles vorbei. Also, wenn der Hase im Pfeffer liegt, dann ist er tot. Weil er ja zubereitet wird. Lasst uns weiter über Musik reden. La Roux, Phoenix und Paul Kalkbrenner haben im letzten Jahr unglaublich an Beachtung gewonnen. Könnt ihr euch erklären, warum elektronische Musik plötzlich so populär ist?
Christian: Es gab in den letzten Jahren viel Gitarrenmusik und ich glaube, die Leute haben sich daran tot gehört. Es war einfach ein neuer Sound gefragt.

Aber es hört sich doch alles ein wenig an wie in den 80ern, oder?
Christian: Jein. Es ist in den 80ern so gewesen, dass die Leute sich was getraut haben. Den Pathos und die Romantik aus dieser Zeit gab es in den 90er Jahren schon nicht mehr. Dieses Gefühl ist heute aber gefragt und wird deshalb musikalisch wieder aufgenommen. Es wird sich wieder ‘was getraut’.

"Into the Future" ist bereits als Single veröffentlicht worden. In dem Song heißt es: "Tomorrow is ahead of us, never look back". Hört man da euren Wechsel zum Major Label raus?
Suzy: (lächelt) Die Nummer ist alt. Das Album war schon fertig, bevor wir zum Major gekommen sind. Wir selbst wollten in die Richtung Elektropop und hätten uns von niemandem reinreden lassen. Es ist gut, dass wir jetzt bei einem Major sind. Dadurch wird unsere Musik für mehr Leute zugänglich. Es hat den Schaffensprozess für das neue Album aber nicht beeinflusst.

suzy on the rocks und bunny lake

Als ich Anfangs zwanzig war, musste alles, was ich mir anhörte Underground sein. Sobald es in den Charts vertreten war, fand ich es scheisse. Heute bin ich 30 und höre ungeniert Lady Gaga. Ist euch etwas Ähnliches mit dem neuen Album passiert?
Christian: Als der Song "Into the Future" fertig war und wir den Sound hörten, standen wir schon einen kurzen Moment unter Schock (lacht). Aber ist halt so, vor zwei Jahren ist die Clubszene in Wien gegen die Wand gelaufen. Es ging nicht mehr härter.

Also, was sollte man machen? Es gab für uns zwei Optionen: Entweder wir werden noch minimalistischer oder wir fangen an Songs zu schreiben. Wir haben uns für das Wagnis entschieden, Songs zu schreiben.

Was sagt ihr zu dem Spruch "Abstinent is my new friend"?
Suzy: (lacht) Manchmal ja, manchmal nein. Am Tag danach meistens ja.

suzy on the rocks und bunny lake

Ihr habt auf der neuen Platte den Falco Song "Ganz Wien" gecovert. Textauszüge: "Ganz Wien ist heute auf Heroin, ganz Wien träumt mit Mozambin..." Erzählt was über den Song.
Suzy: Wien ist so. Heute auch noch.

Christian: Stimmt. Teile Wiens sind auf jeden Fall auf Heroin. Aber auch wenn man das Thema Drogen ausser Acht lässt. Die Stimmung des Songs passt zur aktuellen Stimmung in Wien. Der Song wertet nicht, sondern ist eigentlich nur eine Beobachtung.

Suzy: Das Cover war eine spontane Sache. Es war die letzte Nummer, die wir aufgenommen haben. Ich habe den Song gewählt, weil er mir taugt. Die erste Version des Covers ist aber kläglich gescheitert. Erst nachdem wir den Song zu unserem Produzenten Christoper Just nach New York geschickt haben, konnten wir den Titel auf die Platte nehmen.

Christian: Es war auf jeden Fall sehr mutig von Suzy, den Song zu interpretieren. Ich hätte mich das nicht getraut.

suzy on the rocks und bunny lake

Der Song "Hello Anita" spielt auf Anita Berber aus der Zeit der Weimarer Republik an, der Name Bunny Lake auf den Detektivfilm "Bunny Lake is Missing". Das ganze Projekt ist sehr intertextuell. Durch Intertextualität versperrt man sich einer großen Zielgruppe, denn man distanziert sich von den Leuten, die den Bezug nicht herstellen können. Ist das nicht gegen das Prinzip der Gemeinsamkeit, die Clubmusik eigentlich schaffen möchte?

Suzy: Es ist nicht unsere Intention irgendjemanden auszugrenzen. Es macht überhaupt nichts aus, wenn man die Hintergründe unserer Songs nicht kennt. Musik ist für jeden zugänglich. Einfach aus dem Grund, weil es Musik ist. Und ganz ehrlich, ich habe den Film, auf den sich unser Name bezieht, nie gesehen. Ich musste die Zusammenhänge selbst erst recherchieren.

Christian: Unsere Platten sollen keine postmoderne Zitatsammlung sein. Es gibt da eine gute Geschichte, die wir erlebt haben und die zeigt, dass Musik für jeden zugänglich ist. Der absurdeste Kontext in dem wir bis jetzt gespielt haben, war in einem Park in Mexiko. Wir dachten eigentlich: ‚Das hier macht doch keinen Sinn’, aber die Leute dort haben unseren Sound gefeiert. Das war für uns der Beweis, dass Bunny Lake funktioniert.

Christian, ich habe gelesen, dass du seit langem auch als Journalist tätig bist. Wie beurteilst du das Interview?
Christian: War super.


Text und Interview: Ramona Demetriou

Tags: magazin nr 23, bunny lake, christian fuchs, suzy on th rocks, Electro, rock, disco house

Kommentare (2)

  • du bist dumm

    von Anonymous am 21.11.2010 16:57

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