Matthias Zimmermann - Modell-Welten

Normalerweise zeigt ein Modell einen fiktiven Zustand, eine Vorstellung, eine Idee, die es umzusetzen gilt. Der Basler Künstler Matthias Zimmermann kehrt diese Logik um, indem er aus seiner Wahrnehmung der Realität, Modelle abstrahiert. Zimmermann zeigt auf seinen grossformatigen Gemälden "Landschaften unterschiedlicher Atmosphären und Konsistenzen" – mit beeindruckenden Bezug zur Gegenwart.
Auf bis zu 3 Meter langen Leinwänden erstrecken sich nicht nur liebliche Momente, sondern auch apokalyptische Szenarien, die seit der Atomkatastrophe in Japan an Aussagekraft noch gewonenn haben. "Die Folgen eines Experiments" (Bild 3) lassen Farb- und Bildgewaltig erahnen, dass etwas gründlich schiefgelaufen sein muss. Zimmermann versteht seine "Modell-Welten" denn auch als von der Welt hergestellte Modelle, die sinnbildlich für eine multimediale, technische, vorwiegend digital-vernetzte und stetig beschleunigende Welt stehen.
Die Entstehung der Gemälde erfolgt in zwei Teilschritten. Zimmermann beginnt mit Skizzieren, Malen und Basteln von Hand, anschliessend wird das Werk zwecks virtueller Bearbeitung digitalisiert und zuletzt durch das Drucken und Aufziehen auf Leinwand wieder in die Realität überführt.
Die Arbeiten von Matthias Zimmermann sind noch bis zum 20. August im Rahmen der Young at Art in der Galerie Art Seefeld zu sehen. Ebenfalls lohnenswert ist ein Blick auf die Website von Matthias Zimmermann.

Kommentare (9)
Die Modell-Welten von Matthias Zimmermann sehe ich als interessante Gegenentwürfe zur Realität. Die Realität auseinander dividiert und als verschleiertes Modell wieder zusammen gesetzt, zeigt dem Betrachter den Entwurf einer Vorstellung von Realität. Mich lassen diese Bilder an die Logik eines Traumes denken, indem Elemente aus der erlebten Realität auf irrationale Weise zusammen gesetzt sind und so überraschende Interpretationen ermöglichen. - Vielleicht stehen die Welten von Matthias Zimmermann auch für ein Modell des Unterbewusstseins.
von Lilian Kleine am 18.8.2011 15:10Für mich haben diese Bilder etwas "zeitloses". Jedes Bild hat eine sehr eigene Stimmung: Einige wirken futuristisch, mittelalterlich, cyberspace-artig, neblig-schummrig (chinesisch- japanische Tuschgemälde anmutend), andere wiederum romantisch. Ich find es schön, dass der Künstler sich nicht wiederholt. So wirkt jedes seiner Bild wieder ganz anders.
von Marc_ am 23.8.2011 11:42Auf seiner Webseite schreibt der Künstler, «seine Bildsprache sei in eine Formensprache» eingebunden». Bei der Ausstellung im Art Seefeld waren drei grosse Bilder zu sehen. Steht man vor diesen grossen Bildflächen erkennt man eine Vielzahl von Formen. Und tatsächlich sind seine Bildinhalte beim genauen Hinschauen aus wenigen Formen und Linien zusammengesetzt. Ich finde dies ist ein interessanter Aspekt in Bezug auf unsere Alltagswelt, da unser Alltag von einer weitläufigen «Formensprache» beherrscht wird! Man denke an die vielen Verkehrsschilder, Logos, Signete, sonstige grafische Darstellungen, usw... Eine Formensprache nach der sich Menschen richten müssen und von der sich eine Vielzahl der Bevölkerung leiten und verleiten lässt.
von Timo am 23.8.2011 12:15Coole und aussagekräftige Bildsprache! Teilweise sehr virtuose Perspektiven. Spricht mich an!
von Streetartist am 23.8.2011 12:53Beim Betrachten der Modell-Welten denke ich an Computerspielwelten, resp. virtuelle Welten. Ich hab mal gelesen, Kunst sei immer auch ein Spiegel der Zeit in der sie erschaffen wurde - und Virtualität ist ein zentrales Thema in der heutigen Zeit. Obschon ich kein grosser Kunstkenner bin sprechen mich die Arbeiten von Matthias Zimmermann sehr an. Wenn ich seine Bilder betrachte finde ich schnell einen Zugang und kann mich auch gut in sie hinein denken. Bei der Ausstellung im Art Seefeld hat mir vor allem das quadratische der drei Bild gefallen: "Pyramiden von Giseh" (Bild Nr. 24 in der Galerie oben). Die ganze Wüstenlandschaft biegt sich um eine runde Wasserfläche. Der Himmel ist schwarz wie Teer. In dieser Teermasse leuchtet ein Mond. Strange! - Grüsse an dich Matthias, wir hatten uns ja auf der Vernissage kurz unterhalten ;-)
von Ausstellungsbesucher am 24.8.2011 01:36Interessante Idee: Aus räumlichen Modell-Konstruktionen ein Kunstwerk abzuleiten. Heutzutage wird für fast jedes Vorhaben zuerst ein Modell (räumlich, virtuell, Konzept, usw...) angefertigt.
von Architekt am 6.9.2011 16:59Mir scheint, dass viele dieser Modell-Welten auf ein Ökosystem anspielen. Umwelt, Energiegewinnung, CO2-Emissionen scheinen in einigen der Bilder einen zentralen Stellenwert zu haben. Vor allem die Energiegewinnung durch Atom- und Kohlekraftwerke ist häufig anzutreffen. Ich hoffe, dass auch Windräder und Solarenergie, so wie weitere Methoden zur Gewinnung von umweltfreundlichem Strom eingang in das Werk von Matthias Zimmermann finden werden ;-)
von Ökofreak am 12.9.2011 02:29Die Modell-Welten-Bilder sind ja ziemliche "Eyecatcher". Jedes Bild sieht sehr markant aus.
von bildbetrachter am 19.9.2011 04:18