Jacek Pulawski - Stranger in Chiasso
Was genau macht einen guten Fotografen eigentlich aus? Sicherlich ist es die Art und Weise, wie er Menschen und Gegenstände ins richtige Licht setzt, das Gespür für den richtigen Moment und eine ordentliche Portion Mut. Mindestens genauso wichtig dürfte aber die Fähigkeit, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen sein. Als der Tessiner Fotograf Jacek Pulawski zum ersten Mal im kinki-Büro anrief, uns von seinen Projekten erzählte und uns danach die Bilder der "Via Mala"-Strecke (siehe kinkimagazin #14) zeigte, für welche er Tessiner Prostituierte über lange Zeit hinweg begleitete und ihren Alltag dokumentierte, da war klar: Jacek vereint all diese Fähigkeiten wie kaum ein anderer in diesem Land.
Die Bilder zeigen die Nähe auf, das Vertrauen, das ihn mit den porträtierten Menschen verbindet. Niemals scheint es, als dringe da jemand unerwünscht mit seiner Kamera in eine geschlossene Welt ein, sondern vielmehr, als ob es ein Vertrauter sei, der diese Bilder geschossen habe. Nicht zuletzt deshalb, weil Jacek sich stets komplett auf sein Projekt einlässt und monatelang darin versinkt.
Noch näher wagt sich Jacek denn in der Bilderserie "Stranger in Chiasso" (siehe kinkimagzin #16)an die Menschen heran. Flüchtlinge, deren Gesichter die oft schmerzliche Geschichte einer langen Reise erzählen, provisorische Schlafplätze, die die Rastlosigkeit dieser Leute besser als tausend Worte erklären.
So lenkte Jacek unser Auge nicht nur auf einen Missstand, den wir leider noch immer nicht in seiner vollen Tragweite wahrnehmen, irritiert den Betrachter und lässt ihn darüber nachdenken.
Mehr kann ein Pressebild nicht leisten, darüber war sich auch die internationale Jury des Swiss Press Photo 2009 einig, und kürte ihn zum Gewinner des mit 10'000 Franken dotierten Hauptpreises.
Das kinki-Team gratuliert Jacek an dieser Stelle natürlich ganz herzlich und ist sich sicher, dass dies erst der Anfang seiner Karriere war!
Jaceks Bilder und jene der anderen Gewinner können ab Dezember im Swiss Press Photo-Katalog bewundert werden, der an grösseren Kiosken und im Buchhandel erhältlich ist. Ausserdem werden die Bilder vom 11.12.2009 bis zum 3.10.2010 im Landesmuseum Zürich ausgestellt.

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