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Carlos Fabián Camargo Guerrero - Andinistas: Typografie aus Kolumbien

Am 11.9.2008 2 Kommentare
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Der Grafiker und Typograf Carlos Fabián Camargo Guerrero stammt aus Venezuela und lebt heute in Bogotá (Kolumbien). Nach sieben Jahren als Art Director in namhaften Agenturen wie McCann Ericsson, Leo Burnett und Ogilvy One, machte sich Carlos im Jahre 2006 selbständig und eröffnete sein Designstudio Andinistas.

 

Interview mit Carlos Fabián Camargo Guerrero a.k.a. Andinistas

 

1. Wo bist du aufgewachsen, wo und wann hast du studiert?

 

Ich bin 1977 in San Cristobal (Venezuela) geboren. Aufgewachsen bin ich im Norden von Kolumbien im Departement Santander. Dort habe ich auch meine Schuljahre verbracht, sowie einen Teil der High School. Die letzten Jahre der High School absolvierte ich in San Antonio (Venezuela), wo ich auch mit dem Graphic Design-Studium begann. Abgeschlossen hab ich mein Studium in Merida, ebenfalls einer Stadt in Venezuela. 1998 begann ich als Praktikant bei der Französisch-Venezuelanischen Werbeagentur Publicis 67. Die Jahre vergingen und ich konnte viele Erfahrungen sammeln. Ich konnte mich für besser Jobs bewerben und in verschiedenen Agenturen arbeiten. Insgesamt habe ich sieben Jahre als Art Director bei Firmen wie McCann Ericsson (Venezuela), Leo Burnett (Venezuela), Ogilvy One (Kolumbien) und SSA Bates (Kolumbien) gearbeitet. Danach machte ich mich selbständig und arbeitete als Webdesigner. Und heute arbeite ich als Typograph; seit 2006 biete ich meine Fonts auf www.andinistas.net zum Verkauf an.

 

2. Welche Studiengänge hattest du belegt (künstlerische, technische)?

 

1998 habe ich mein Studium in Graphic Design am Technological Institute of Antonio Jose de Sucre in Merida (Venezuela) abgeschlossen und seither keine weiteren Ausbildungen mehr gebraucht.

 

3. Wann hast du realisiert, dass Typografie dein Ding ist? Wie bist du zur Typografie gekommen?

 

Manchmal habe ich zur Zerstreuung Buchstaben und Font-Styles entworfen. Dass man mit Typografie Geld verdienen kann, habe ich aber erst realisiert, als andere Leute meine Entwürfe in ihren Designs verwendeten. Was als Hobby begann, ist mein Hauptverdienst geworden. An Schriften und Zeichen hatte ich schon sehr früh Interesse; den grössten Teil meiner Schulzeit habe ich mit Zeichnen und Malen über die Runden gebracht. Zu der Zeit, als ich das erste Mal in einer Agentur gearbeitet habe, hab ich das Design Magazin Matiz gegründet. In einem der Artikel wurde die Software Fontographer vorgestellt, welche ich mir kurz darauf gekauft habe. Mit Fontographer konnte ich endlich meine Ideen, die ich ja nur auf Papier hatte, auch auf dem PC umsetzen. Ein paar Jahre danach haben ein paar Freunde, mein Bruder und ich damit begonnen unsere Arbeiten auf andinistas.net zu präsentieren.

 

4. Wolltest du schon als kleiner Junge Graphic Design studieren?

 

Nein, ganz und gar nicht: Nach der High School war für mich klar, dass ich Architektur studieren würde. Aber einen Tag vor der Aufnahmeprüfung hatte ich eine Bilddarmentzündung, musste ins Spital und verpasste die Prüfungen. Wenn man zu dieser Zeit in Venezuela keine Ausbildung machte, wurde man recht schnell eingezogen und musste Militärdienst leisten. Dies wollte ich auf keinen Fall und entschied mich kurzerhand für ein Graphic Design-Studium. Ich habe also eigentlich nur mit Graphic Design begonnen, um nicht ins Militär zu müssen. ;-)

 

5. Wie würdest du deine momentane berufliche Tätigkeit beschreiben?

 

Nicht ganz einfach, irgendwas in der Art: Kulturelle Produktionen, die dadurch entstehen wie ich denke und lebe. Meine Fonts sind für mich Basismaterial mit dem man Designs entwerfen kann. Meist arbeite ich aus dem Bauch heraus, folge meiner Intuition und improvisiere. 6. An was für Projekten arbeitest du normalerweise? Seit Mitte 2007 arbeite ich mit meinem Freund Cesar Puertas an der "Simon Bolivar"-Font. Zusammen mit Manuel Corradine arbeite ich an einer weiteren Font, die sich an Schriftzügen orientiert, welche man auf Tafeln und Beschriftungen von antiken Häusern in Bogotá findet. Nebenbei arbeite ich an einigen Font Familien, mit welchen ich bereits 1998 in Caracas (Venezuela) begonnen habe. Und immer wenn ich Zeit habe, beantworte ich E-Mails und Interviews wie dieses.

 

7. Wie sieht ein typischer Arbeitstag von dir aus?

 

Ich denke von morgens bis abends an Designs rum; ein typischer Grafik-Junkie eben. Ich bin sehr gerne mit meiner Digitalkamera unterwegs und sammle Eindrücke. Diese illustriere ich danach von Hand oder am PC. Die Entwürfe die dabei entstehen sind meist der Ausgangspunkt für eine neue Font. Seit ich mein eigener Boss bin, kann ich meinen Tagesablauf selber bestimmen. Meine Tage sind viel kreativer als die Arbeitstage in den Agenturen. Ich habe viel mehr Zeit um meine Ideen zu entwickeln – deshalb funktionieren sie auch.

 

8. Typografie und Graphic Design aus Kolumbien, verglichen mit den Arbeiten aus der internationalen Szene: Wie siehst du das? Gibt es Unterschiede?

 

Ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, dass in Kolumbien nur sehr wenig Leute bzw. nur einige Kollegen als Typografen oder Grafiker arbeiten. Aber Kolumbien ist ja ein recht grosses Land und ich kenne vermutlich nicht alle Leute aus der Grafik-Szene ;-) Ich glaube nicht, dass jemand in Kolumbien ausschliesslich als Typograf arbeitet und konstant neue Fonts entwirft. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass die meisten Leute als Illustratoren oder Editorial Designer arbeiten.

 

9. Wie sieht für dich die Zukunft der Typografie aus?

 

Typografie wird bleiben, was sie für mich immer schon war: Etwas extrem subjektives, das man nicht wirklich verallgemeinern kann. Was man aber sagen kann: Typografie wird sich immer durch die verschiedenen kulturellen Einflüsse verändern. Typografische Designs werden sich immer nach den Bedürfnissen ihrer Gestaltern, sowie ihrer Konsumenten richten. "Dank" der Typografie kann man nicht nur mit den Buchstaben selber etwas kommunizieren, sondern auch mit ihrer Form, Farbe – ihrem Stil. Und damit viel mehr rüberbringen, als eigentlich im Text steht. Zum Beispiel: Stimmungen, kulturelle Tendenzen usw. Kurz: Mit Typografie kann man Dinge sagen ohne einen langen Text als Erklärung liefern zu müssen.

Tags: Andinistas, Fotografie, Illustration, Grafik, Typografie

Kommentare (2)

  • Una de las herramientas más poderosas, para dibujar nuestras visiones como en unas „fábricas de utopías", es el conjunto entero de los medios digitales. La digitalización nos anima a aceptar a informaciones y puntos de vista, e incluso desafiar a nuestras ideas preconcebidas.

    von INTERLACEARTS am 17.1.2011 20:40

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